Von El Remate aus sind wir fast den ganzen Tag unterwegs, und es ist schon dunkel als wir an der Grenze zu Honduras ankommen. Also entschliessen wir uns, in der Grenzstadt Esquipulas zu übernachten, um dann am nächsten Tag ausgeruht die Grenze zu überqueren. Esquipulas ist eine typische, lateinamerikanische Grenzstadt. Nichts besonderes oder schönes zu sehen. Wir gehen also schnell noch was essen und sofort ins Bett. Denn am nächsten Tag wollen wir nach der Grenze ja direkt weiter bis nach Tegucigalpa, der Haupstadt von Honduras und der Wohnsitz unserer Freunde Marilis und Alexander.

Wir sind sehr früh auf den Beinen, und schon um 7.00 Uhr morgens auf dem Weg zur Grenze. Schon nach kurzer Zeit treffen wir auf eine riesige Schlange von LKWs, die alle auf den Grenzübertritt warten. Doch wir mit unserem PKW dürfen da einfach daran vorbei fahren. An der Grenze wieder das übliche Spiel: Geldwechsler wo man nur hinsieht. Diesmal haben sie aber realistischere Wechselkurse als an der letzten Grenze. Also tauschen wir schnell noch all unser Geld. Selbst ein paar hundert mexikanische Pesos können wir hier noch loswerden :-). Danach gehts dann zum eigentlichen Grenzübergang. Passkontrolle und die Dokumente für Einstein sind schnell (ca. 90 min) geklärt. Also gehts mal wieder zum Zoll. Und bisher bin ich total begeistert, denn an dieser Grenze sitzt immer ein Beamter aus Guatemala und ein Beamter aus Honduras direkt nebeneinander. Man kann also immer Aus- und Einreise gemeinsam durchführen. An den letzten Grenzen waren diese immer in verschiedenen Gebäuden oder sogar durch den Grenzstreifen getrennt. Bei der Ausfuhr unseres Autos aus Guatemala sage ich sogar der guatemaltekischen Zoll-Beamtin, wie toll sie hier organisiert sind. Hätte ich doch bloss meinen Mund gehalten. Denn dann schickt sie mich zu ihrem Kollegen aus Honduras. Und der wirft einen kurzen Blick auf meine Papiere, legt sie dann zur Seite und sagt: “ya vuelvo, ahora voy a desayunar”. Ich dachte in dem Moment, meine Spanischkenntnisse hätten mich komplett verlassen. Denn übersetzt heisst das so viel wie: “ich bin gleich wieder da, gehe jetzt Frühstücken!”. Ich war total perplex. Auf meine Frage wie lange das denn dauern würde, sagt er nur so ca. 20 Minuten. Jedem sollte klar sein, dass in Lateinamerika ca. 20 Minuten mindestens 30 eher 45 Minuten sind. Ist das nur eine Masche um mir ein Bestechungsgeld für den Beamten aus den Rippen zu leiern? Keine Ahnung, aber so langsam wird die Schlange mit LKW-Fahrern hinter mir immer länger. Und von dem Typen keine Spur. Die LKW Fahrer haben anscheinend kein Problem damit. Aber als mal wieder eine Beamte vom Zoll erscheint, spreche ich sie darauf an, und sie teilt mir mit dass ausser diesem Frühstücks-Kollegen kein anderer den Prozess zur Einfuhr des Autos durchführen könnte. Als ich nach einem Vorgesetzten oder einem anderen Beschwerdeweg frage, findet sich doch plötzlich ein anderer Kollege, der mich abfertigen kann. Es dauert allerdings unheimlich lange. Als dann nach einer halben Stunde der Frühstücks-Beamte wieder kommt, übernimmt er wieder meinen Fall und “arbeitet” weiter daran. Es geht überhaupt nicht voran. Und hinter mir immer noch die Schlange mit LKW-Fahrern…

Dann nach einer gefühlten Ewigkeit sind wir (fast) fertig. Ich muss nur noch die Gebühren für die Einfuhr auf der Bank bezahlen. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich ja eine Bank. Jedoch ist diese aus Guatemala, da kann ich die Gebühren nicht zahlen. Ich muss zu der Bank, die ca. 2km hinter der Grenze ihre Niederlassung hat. Was für ein Krampf, total entnervt springe ich ins Auto und fahre zu der Bank, zahle und fahre wieder zurück. Nach 3 Stunden fahren wir endlich alle zusammen über die Grenze und sind happy endlich in Honduras zu sein.

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Doch die Freude hält nicht lange an. Ca. 100 m hinter der Bank halten uns die ersten 2 Polizisten an. Sie wollen Pässe, Führerschein, Fahrzeugbrief, Einfuhrdokumente für unser Auto und die Einreisepapiere für Einstein sehen. Wir können alles einwandfrei vorzeigen. Danach laufen sie um unser Auto herum, bis sich der eine zum anderen rüber beugt und ihm ins Ohr flüstert (und zwar laut genug, dass wir ihn hören können): “No podemos hacer nada – tienen una cámara”, also “da können wir nichts machen, die haben eine Kamera laufen”. Damit bezog er sich eindeutig auf unsere GoPro, die wir auf unserer gesamten Fahrt als Dash-Cam nutzen. Nachdem wir in Baja California von einem korrupten Polizisten abgezockt wurden, habe ich die GoPro in unsere Winschutzscheibe gehängt und seitdem ständig alles mit gefilmt. Und sobald wir von Militär oder Polizei angehalten werden, wird diese Dash-Cam immer demonstrativ in Richtung Freund und Helfer geschwenkt. Das senkt ungemein die Motivation der Beamten, Dich um eine ungerechtfertigte “Spende” zu bitten. Diesmal war es also ganz eindeutig, dass uns die GoPro hier den Hintern gerettet hat. Dann 250m weiter halten uns wieder 2 Polizisten an. Auch sie fordern wieder alle Papiere und sprechen uns dann direkt auf die Kamera an, fragen uns ob wir diese ständig laufen liessen. Als wir das bejahen, lassen sie uns auch weiterfahren. Nach 10 Minuten wiederholt sich das Spielchen noch mal mit einem Militärposten, bis wir kurze Zeit später wieder an jeder Menge geparkter LKWs vorbei fahren. Als wir an einem Schlagbaum ankommen, und die Beamten diesmal neben den ganzen Fahrzeug-Papieren wieder unsere Pässe sehen wollen, werden wir stutzig. Wo sind wir denn hier nur rausgekommen? Es stellt sich raus, dass wir an der Grenze zu El Salvador stehen. Für das GPS ist das nämlich der kürzeste Weg. Aber das würde bedeuten, dass wir 2 extra Grenzen überschreiten müssten. No Way!!! Da fahren wir lieber den weiteren Weg. Also umgedreht und wieder zurück. Doch plötzlich haben wir einen Motorradpolizisten mit Blaulicht im Rückspiegel. Was will der denn nun?

Nachdem er uns in einem Affenzahn überholt, und dabei beinahe mit einer Kuh kollidiert, die wild über die Strasse rennt, winkt er uns zur Seite. Er hält uns an, weil wir an der Grenze gedreht und wieder zurückgefahren sind. Anscheinend hat das einen verdächtigen Eindruck erweckt. Wir erklären ihm dass wir uns einfach nur verfahren haben. Er klärt kurz über Funk dass alles in Ordnung ist, und dann gibt er uns noch Tipps, wie wir am besten nach Tegucigalpa kommen, ohne über San Pedro Sula zu fahren. Wenn man nach den letzten Statistiken geht, ist diese San Pedro Sula mit 3 Morden pro Tag und 170 Morden pro 100.000 Einwohnern die gefährlichste Stadt der Welt. Wir nehmen den Ratschlag des Polizisten gerne an, und fahren die alternative Strecke über La Esperanza durch die Berge. Die kennt zwar das Navi nicht, ist aber ausserdem noch kürzer und schneller. Trotzdem kommen wir wieder erst spät abends an, sind aber froh als wir endlich im Haus unserer Freunde Alex und Marilis ankommen. Hier bleiben wir nun eine Woche. Unsere Mädels sind glücklich, denn unsere Freunde haben 2 Töchter genau im gleichen Alter. Und Einstein ist auch überglücklich, denn er verliebt sich Hals über Kopf in Goldi, die Golden Retriever Hündin unserer Gäste. Und obwohl Einstein kastriert ist, und Goldi nicht läufig war, kam es doch zu sehr überraschenden Szenen…

Wir haben viel Spass in Tegucigalpa, schauen uns die umliegenden Sehenswürdigkeiten an und verbringen eine tolle Zeit mit unseren Freunden, die wir seit 9 Jahren nicht gesehen hatten. Tegucigalpa liegt in der Statistik der Mordrate zwar nur kurz hinter San Pedro Sula, aber wir fühlen uns immer sicher und es kommt auch glücklicherweise zu keinerlei Zwischenfällen. Von Alexander erfahren wir, dass sich diese Morde in erster Linie auf Bandenmitglieder beschränken, die sich wegen Streitigkeiten und sonstigen Auseinandersetzungen gegenseitig eliminieren.

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Nach einer sehr schönen Woche in Honduras geht es wieder weiter. Es liegt jetzt nur noch 1 Land (Nicaragua) zwischen uns und unserem Ziel. Wir sind alle froh, dass wir bald in Costa Rica ankommen sollen. Wie lange es noch wirklich dauert, das lest Ihr in meinem nächsten Beitrag.

Bis dahin alles Liebe und Lebt Euren Traum

Euer

Markus